Wohnen in Niedersachsen

Mehr Wohnungslose suchen Anlaufstellen in Niedersachsen auf

Wenn der Winter kommt, wird es für Menschen auf der Straße besonders hart. Wie viele landesweit betroffen sind, ist unklar. In die Tagesaufenthalte kommen vermehrt Frauen.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Hannover (dpa/lni) - Die Zahl der Wohnungslosen zwischen Harz und Nordsee ist nach dem Eindruck der Beratungsstellen im Land kontinuierlich gestiegen. "Es kommen mehr Menschen in unsere Einrichtungen", sagte Ulrich Friedrichs, Geschäftsführer der Zentralen Beratungsstelle Niedersachsen. In sogenannten Tagesaufenthalten können sich Menschen aufwärmen, essen oder duschen. Frauen machen laut Friedrichs mittlerweile ein Viertel der Besucher aus. Der Verlust der eigenen Wohnung habe häufig mehrere Ursachen, sagte der Experte von der Caritas Osnabrück, zum Beispiel die Trennung vom Partner, Krankheit, Jobverlust oder Überschuldung.

Bundesweit stieg die Zahl der Menschen ohne Wohnung im vergangenen Jahr auf geschätzte 678 000, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe mitteilte. Demnach finden vor allem anerkannte Asylbewerber keine eigene Bleibe. Etwa 41 000 Männer und Frauen lebten 2018 komplett auf der Straße. Die BAG hofft auf ein Gesetz zur Wohnungslosenberichterstattung. Einige Länder wie Nordrhein-Westfalen hätten bereits eine solche Statistik, Niedersachsen aber nicht, sagte Sabine Bösing, stellvertretende Geschäftsführerin der BAG.

Hilfe für Betroffene

In Niedersachsen gibt es laut Sozialministerium ein flächendeckendes Angebot von ambulanten Hilfen für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, zu denen 54 Beratungsstellen, 34 Tagesaufenthalte und 1300 Plätze in stationären Einrichtungen zählen. In diesem Jahr wende das Land dafür mehr als 33 Millionen Euro auf. Beispielsweise sei im August in Braunschweig von der Diakonie eine neue Beratungsstelle nur für Frauen eröffnet worden.

Hannover hat ein Winternotprogramm in Kraft gesetzt. Es ermöglicht Obdachlosen, auch ohne Anmeldungen Notschlafstellen aufzusuchen, außerdem wurde ein Busshuttle zur größten Notschlafstelle eingerichtet. Hinzu kommt laut Stadtsprecherin Michaela Steigerwald ein neues Projekt, bei dem Menschen gemeinsam mit ihren Hunden untergebracht werden.

In Hannover sind derzeit 1328 Menschen in Unterkünften für Wohnungslose untergebracht, 2017 waren es noch 1165. Hinzu kommen 1045 Menschen in Flüchtlingsunterkünften. Anerkannte Asylbewerber hätten oftmals Probleme, eine Wohnung zu finden und würden deshalb weiterhin von der Stadt untergebracht, sagte die Stadtsprecherin. Bundesweit sind nach Schätzung der BAG sogar 65 Prozent der Wohnungslosen anerkannte Asylbewerber. Die Arbeitsgemeinschaft kritisiert, dass der Verbleib in den Flüchtlingsheimen die Integration erschwere.

Geteilte Aussichten

"Es fehlt bezahlbarer Wohnraum für Alleinstehende sowie für Familien", betonte Friedrichs. Oft spiele Krankheit beim Verlust der Wohnung eine Rolle. Wer zum Beispiel ausziehen müsse, weil er keine Treppen mehr steigen könne, finde keine barrierefreie, günstige Wohnung. Landesweit gibt es nur wenige spezielle Krankenwohnungen für Wohnungslose. Eher symbolischen Charakter haben zwei Tiny Houses auf dem Grundstück des Landeskirchenamtes und des Stephansstiftes in Hannover, die Obdachlosen als Notunterkunft dienen sollen.

Nach Friedrichs' Beobachtung finden 80 Prozent nach einiger Zeit wieder eine Wohnung - meist gelingt dies auf dem angespannten Wohnungsmarkt aber nur mit Unterstützung. Caritas und Diakonie mieten vermehrt selbst Wohnungen an, um sie an Menschen unterzuvermieten, die vorübergehend auf der Straße gelebt haben.

In Bremen sei Zahl der Wohnungslosen seit Jahren konstant, sagte Bernd Schneider, Pressesprecher der Senatorin für Soziales. Im Schnitt werden im kleinsten Bundesland 500 Menschen jährlich in Obdachlosenunterkünften untergebracht, in Flüchtlingsunterkünften seien es etwa 4000 Männer und Frauen. In Bremen wurde ein früheres Flüchtlingsheim zu einer Obdachlosenunterkunft umgebaut. Dort werden seit diesem Frühjahr psychisch kranke sowie pflegebedürftige Wohnungslose betreut, etwa nach einem Klinikaufenthalt.

(dpa)