App statt Impfpass

Nie mehr Impfpass suchen: Neue App soll an Impfungen erinnern

Die Mehrzahl der Eltern lässt ihre Babys und Kleinkinder gewissenhaft impfen. Doch irgendwann geraten die notwendigen Auffrischungen aus dem Blick. Dies kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Können digitale Angebote helfen?


Impfpass App_ergebnis.jpg
 (Foto: picture alliance/dpa)

Hannover (dpa/lni) - Weil Impfpässe nicht selten verloren gehen, wollen niedersächsische Hausärzte ihren Patienten eine neue App anbieten. Ziel sei ein offenes System für Patienten und Mediziner, um Impf-Einträge digital zu erfassen und die Daten verlässlich auszutauschen, teilte der Hausärzteverband Niedersachsen mit. An diesem Freitag (15.30 Uhr) wird das Pilotprojekt "impf.app" im Beisein von Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) in Hannover vorgestellt. Mit Impfungen seien schwere Krankheitsverläufe, in Einzelfällen sogar tödliche Komplikationen vermeidbar, sagte Verbandschef Matthias Berndt.

Einzelne Krankenkassen bieten bereits derartige Apps für ihre eigenen Versicherten an, das Berliner Robert-Koch-Institut hat eine Impf-App für Ärzte entwickelt.

App soll für mehr Transparenz bei den Patienten sorgen

Ärzte tragen im Moment aber noch alle Impfungen in den gelben Impfpass aus Papier ein, der einen sein ganzes Leben lang begleitet. Patienten können aber darin gar nicht selbst erkennen, ob und wann sie eine Auffrischung benötigen. Häufig ist der Impfausweis irgendwo zu Hause gut verstaut und wird nicht zu Arztbesuchen mitgenommen. Die App soll künftig daran erinnern, wann wieder eine Spritze notwendig ist. Impflücken bestehen Experten zufolge vor allem bei jungen Erwachsenen. In Niedersachsen waren zum Beispiel von den bislang 87 gemeldeten Masernfällen in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Erkrankten über 20 Jahre alt.

"Zu begrüßen ist jede Maßnahme, die Impfhindernisse abbaut"

Vom 1. März kommenden Jahres an gilt bundesweit eine Masern-Impfpflicht. Eltern müssen dann vor der Aufnahme in Kitas oder Schulen nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind. Greifen soll die Impfpflicht auch für Lehrer und Erzieherinnen sowie für Personal in medizinischen Einrichtungen.

Begleitend müssten die Öffentlichkeit besser aufgeklärt und niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden, sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamts, Matthias Pulz. Den digitalen Impfpass bewertet er positiv: "Zu begrüßen ist jede Maßnahme, die Impfhindernisse abbaut. Dazu gehören auch elektronische Dokumentationshilfen und Erinnerungsfunktionen."

(dpa)