Katholische Kirche

Bischof Bode erwartet schweren Reformprozess in katholischer Kirche

Der Missbrauchsskandal offenbarte große Probleme in der katholischen Kirche. Nun diskutiert das Kirchenvolk mit den Bischöfen über Macht-, Moral- und Geschlechterfragen. Der Osnabrücker Bischof rechnet mit vernehmbaren Streit - der aus seiner Sicht aber notwendig ist.


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Franz-Josef Bode, Bischof des Bistums Osnabrück, gestikuliert während eines Interviews.  (Foto: picture alliance/dpa)

Osnabrück (dpa/lni) - Die katholische Kirche in Deutschland steht vor einem großangelegten innerkirchlichen Diskussions- und Reformprozess, bei dem Laien und Kleriker Grundsatzfragen erörtern wollen. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht seine Kirche dabei im Spannungsfeld zwischen Bewahrern und Reformern: "Der Synodale Weg ist anstrengend und braucht Zeit", sagte der Bischof der Deutschen Presse-Agentur in Osnabrück. Der zwei Jahre dauernde Prozess startete am Sonntag, dem ersten Advent, mit dem Anzünden von eigenen Synodalkerzen in den Domkirchen Deutschlands.

Umstrittene Themen

Im Frühjahr hatten sich die Bischöfe bei ihrer Konferenz in Lingen auf den Diskussionsprozess mit der Laienorganisation Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) geeinigt. In vier Foren sollen Themen diskutiert werden wie etwa Macht- und Gewaltenteilung in der Kirche, die Lebensform der Priester, Sexualität oder die Frage, welche Ämter und Dienste Frauen in der Kirche zustehen sollten.

Derzeit sind Frauen wegen ihres Geschlechts von geistlichen Ämtern ausgeschlossen. Theologinnen und Basis-Initiativen wie Maria 2.0 fordern, dass auch Frauen Funktionen von Klerikern übernehmen dürfen. Traditionsbewussten Bischöfen und Gläubigen geht diese Forderung zu weit. Auch die Ehelosigkeit der Priester oder die Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden dürfen, sind in der katholischen Kirche hoch umstritten.

"Die Kirche kann nicht weiter gehen, weil immer diese Fußhaken da sind."

Der Osnabrücker Bischof Bode warnte vor zu hohen Erwartungen an den Reformprozess auf beiden Seiten. "Ich glaube, das ist keine gute Voraussetzung dafür, einen Prozess anzufangen, wenn man das Ergebnis schon weiß." Natürlich brachten die Beteiligten ihre Erwartungen und Hoffnungen mit, aber die Diskussionen müssten ein "Ringen in gegenseitiger Offenheit um die Wahrheit" sein. Einen Konsens werde man in vielen Fällen nicht erzielen und mit Minderheitenvoten leben müssen. "Wenn man das als einen geistlichen Prozess ansieht, widerspricht es dem nicht, dass man streitet und vielleicht in heftige Auseinandersetzungen kommt."

Am Ende müsse bei weltkirchlich bedeutsamen Fragen ohnehin der Papst entscheiden, wie mit den Ergebnissen des Synodalen Weges umgegangen werde. Er glaube aber, dass es den Papst nicht unbeeindruckt lasse, wenn Bischöfe und Laien in großer Mehrheit Beschlüsse fassten.

Bode machte deutlich, dass die Fragen des Synodalen Wegs Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sind. Laien und Priester in der Kirche müssten sich daher mit der Machtverteilung in der Kirche, der priesterlichen Lebensform und der Sexualmoral mit großer Ernsthaftigkeit befassen: "Die Kirche kann nicht weiter gehen, weil immer diese Fußhaken da sind." Andererseits dürfe sich die Kirche nicht nur mit sich selber befassen. "Bei all dem, was wir jetzt tun, dürfen wir auch die großen Fragen der Welt - etwa Klima, Flüchtlinge, Migration und Frieden - nicht aus den Augen verlieren."

(dpa)